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Masterclass / Concert
Die Kraft von musikalischem Reichtum und seiner Entfaltung

Jesse van Ruller (Trio), zondag 27 november 2011, Jazz at the Crow, Kraaij & Balder, Eindhoven

Im Cafe Kraaij & Balder fand zum zweiten Mal eine Ausgabe der durch die Stiftung Live Jazz Promotion geförderten Serie Masterclass & Concert statt. Hintergrund und Idee dieser Veranstaltung ist, mit eingeladenen Musikern in einer lockeren Gesprächsrunde Entstehung von Kompositionen und deren Spielweise zu erörtern. Dies geschieht anhand von selbstgeschaffenen Werken oder aber am Beispiel von Standards, die modifiziert werden können.

Für die Ausgabe im November war Gitarist und Komponist Jesse van Ruller eingeladen, um dem Publikum auf interessierte Fragen, Rede und Antwort zu stehen. Begleitet wurde er dabei von seinen Bandmitgliedern Clemens van der Feen am Kontrabaß und Schlagzeuger Joost van Schaik.

Ein Thema des Nachmittages war natürlich die Entstehung eines Entwurfes oder vielmehr die verschiedenen Möglichkeiten eines Entwurfes, die zur Entstehung einer Komposition führen. Für Van Ruller ist es für den künstlerischen Prozess wichtig, eine Idee direkt in die Tat umzusetzen und sie sogleich zu spielen. Eher hinderlich sei es, lange darüber nachzudenken. Die inspirierende Grundlage bestehe darin eine Melodie zu spielen und daraus eine zweite begleitende Stimme zu erschaffen. Diese Vorgehensweise stelle, was diese Form des Komponierens anbetreffe, zugleich eine Plattform und stützende Rahmenbedingung dar. Ausschließlich in Noten zu denken sei jedoch weniger erfüllend. Kreativer ist vielmehr, sich in Töne und Klangwelten zu versetzen.

Bereichernd wäre zudem, sich Akkorde und Klänge auf verschiedenen Instrumenten vorzustellen: So habe doch jedes Instrument sein individuelles musikalisches Leben und seine eigene musikalische Sprache. Vor allem aber beziehe er spontane Inspiration und Eingebung während des Musizierens mit anderen Musikern, besser noch, wenn unterschiedliche Stilrichtungen im Spiel sind. Überhaupt, das Erforschen anderer Musikstile, Ausdrucks- und Spielweisen eröffne immer wieder neue Horizonte und Erkenntnisse. Wichtig sei es ihm dabei, unabhängig und seinem eigenem, authentischem Klangbild treu zu bleiben. Sei es nun mit der Semi- akustischen Gitarre oder der Telecaster.

Eine weitere Frage war, wie man es am Besten angehe, um eine Komposition spannend und abwechselungsreich zu gestalten. Dies gelänge nach Auffassung des Gitaristen über Variation und Ungewöhnlichkeit in der rhythmischen Technik. Sich lösen von den meist gebräuchlichen zeitlichen Anordnungen, Harmonien und Gewichtungen der Töne, mache das Präsentieren und Zuhören spannender und zugleich mysteriös. Vor allem dann, wenn es spontan, also unmittelbar aus dem Inneren heraus geschähe und eigene Gedanken verwirklicht werden können. Es dürfe auch ruhig rätselhaft und mit ungeplantem Ergebnis zu und hergehen, denn genau da liegt der Knackpunkt.

Komponieren und improvisieren ist nun mal ein Unterschied. Das eine frage um Struktur, das andere um Mut, Flexibilität und Risikobereitschaft eine musikalische Reise mit unvorhersehbarem Ausgang anzutreten. Die Improvisation stelle immer wieder eine komplexe und kreative Herausforderung dar. Dort, mit einem Schmunzeln erwähnt, wo man schon mal die Orientierung verlieren kann, werden, wie er selbstkritisch preisgibt, bisweilen auch unbekannte, eigene musikalische Begrenzungen offengelegt. Konfrontierend genug, biete sich zugleich die tiefgreifende Chance, dieses zu akzeptieren, noch weiter zu gehen und sich frei weiterentwickeln zu können.

In diesem Zusammenhang wurde von allen beteiligten Musikern betont, wie wichtig es sei in einer Band zusammenzuhalten und daß vor allem eine gut funktionierende Rhythmusgruppe von unschätzbarem Wert ist. Sie biete Solisten eine Art doppelten Boden oder wenn notwendig, ein vertrauenvolles Auffangnetz. Der Garant also, um aus Ausflügen in höhere musikalische Sphären wieder in einer gemeinsamen Quintessenz in das Hier und Jetzt zurückzukehren.

Ein persönliches Anliegen war es Van Ruller zu betonen, daß es ihm darum gehe, der Musik etwas geben, ja zufügen zu können und sie zu 'erkennen'. Das eigene musikalische Wachstum und dabei niemals stehen zu bleiben, das seien seine erstrebenswerten Vorhaben. Der kommerzielle Aspekt spiele dabei eine untergeordnete oder besser realistische Rolle.

Das anschließende Konzert stand im Zeichen der in 2010 veröffentlichten CD 'Chambertones'. Hier wurde das soeben Besprochene dermaßen in die Tat umgesetzt, daß es einer weiteren Bewusstwerdung gleichkam und die Balance widerspiegelte. Das Publikum war beeindruckt und es kam immer wieder der Wunsch zum Vorschein mehr davon hören zu wollen. Nicht so sehr das Was, sondern das Wie.

Idealismus, Authentizität und unabhängige Entfaltung waren die wichtigsten Eindrücke aus diesem interaktiven Vortrag. Ebenso wurde man Zeuge, wie sympathisch zurückhaltende Selbsteinschätzung direkt in musikalischen Reichtum und schöpferische Kraft umgesetzt wurde. Durch selbstlose Hingabe und zugleich konzentrierter Haltung wurde hier die Wichtigkeit der Musik spürbar. Die Intensivität dieser Präsentation erinnert in übertragenem Sinne an das Zitat, welches Ludwig van Beethoven seiner Messe Missa solemnis widmete: "Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!"

Klik hier voor een fotoverslag van deze masterclass en het aansluitende concert door Cees van de Ven.

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(Sabine Fleig, 21.12.11) - - [naar boven]


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